Interview mit Ulrich Hannemann, Leiter der Internen Revision des Uniklinikums Heidelberg

Herr Hannemann, wie lange hat das Universitätsklinikum Heidelberg bereits eine Interne Revision?

U.H.: Lange Jahre bestand eine gemeinsame Innenrevision der Universität und des Universitätsklinikums Heidelberg. Im Zuge einer Rechtsformänderung wurde beim Universitätsklinikum zum 1.1.1998 eine eigenständige Innenrevision etabliert.

Was sind die Besonderheiten einer Internen Revision im Krankenhaus?

U.H.: Die Prüffelder sind sehr unterschiedlich. Neben klassischen Prüfungen der Finanzbuchhaltung, des Einkaufs, der Personalkosten sind beispielsweise auch die Patientenabrechnung, die Dokumentation der Leistungen und die Einhaltung von Aufzeichnungspflichten (z. B. Betäubungsmittel) zu untersuchen.

Wie ist in Ihrem Haus das Zusammenspiel zwischen Risikomanagement und Interner Revision?

U.H.: Das Risikomanagement ist beim Universitätsklinikum Heidelberg dem Qualitätsmanagement zugeordnet. Die Innenrevision war aber von der ersten Minute beratend in die Implementierung des Risikomanagementsystems eingebunden und ist Mitglied in der Risikomanagement-Gruppe des Hauses.
Das Risikomanagementsystem sollte auch durch die Interne Revision geprüft werden. Beim Universitätsklinikum erfolgt dies bisher ex ante.

Welche Rolle spielt Compliance im Krankenhaus?

U.H.: Ein Krankenhaus ist sehr komplex und risikobehaftet. Compliance spielt also eine große Rolle. De facto gibt es in Krankenhäusern eine dezentrale Compliance-Struktur schon seit vielen Jahren. Neu ist meines Erachtens nur der Begriff.

Wie qualifizieren Sie sich und Ihre Mitarbeiter? Welche Rolle spielt dabei das CIA-Examen?

U.H.: Fortbildung ist für Revisoren unerlässlich und wird beim Universitätsklinikum Heidelberg gefördert und gefordert. Neben Seminaren verschiedener Anbieter nehmen die Revisoren auch an Tagungen (z. B. Arbeitskreis „Interne Revision im Krankenhaus“ beim Deutsches Institut für Interne Revision e.V. -Deutsches Institut für Interne Revision e.V.) teil.
Das Certified Internal Auditor-Examen spielt beim Universitätsklinikum Heidelberg hingegen bisher keine Rolle. Zunehmend legen aber Kolleginnen und Kollegen aus anderen Krankenhäusern das Examen ab.

Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten.

Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg. Das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland (Stand 12/2008).

Warum hat sich die Interne Revision entschieden, so offensiv nicht nur im Intranet, sondern auch im Internet aufzutreten?

U.H.: Derzeit leite ich den Arbeitskreis „Interne Revision im Krankenhaus“ beim Deutschen Institut für Interne Revision. Es ist mir ein wichtiges Anliegen den Beitrag der Internen Revisionen zur Ordnungsmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit der Betriebsabläufe bekannt zu machen und das Image der Revisionsabteilungen zu verbessern. Darüber hinaus halte ich transparente Abläufe für sehr wichtig.

Wie ist die Resonanz auf diese Offenheit von innerhalb und außerhalb des Hauses?

U.H.: Ich habe schon von vielen Kolleginnen und Kollegen eine positive Rückmeldung erhalten. Einige haben daraufhin Kontakt mit mir aufgenommen und wir sind in einen regen Erfahrungsaustausch eingetreten. Gerade bei kleinen Revisionen halte ich ein solches Networking für besonders wichtig, da so jeder von den Erfahrungen der Kollegen profitieren kann.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für eine kleine Revisionsabteilung?

U.H.: Eine kleine Revisionsabteilung muss mit wenigen Mitarbeitern verschiedenartigste Prüffelder kompetent abdecken.

Wenn Sie gefragt würden, warum man zur Internen Revision wechseln sollte, was wäre Ihre Antwort?

U.H.: Die Tätigkeit als Revisor ist sehr abwechslungsreich, nie langweilig und ermöglicht eigenständiges Arbeiten. Die Tätigkeit in einer Internen Revision ist darüber hinaus eine ideale Vorbereitung zur Übernahme von Führungsaufgaben. Ich bin nunmehr seit 17 Jahren in der Revision tätig und meine Arbeitszufriedenheit ist nach wie vor sehr hoch.

Herr Hannemann, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Das Gespräch führte Elmar Schwager.

Leiter Innenrevision

Ulrich Hannemann

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