Leitlinie III 2011: Zur Rolle der Ethik in der Internen Revision

Adressaten: Oberste Revisionsverantwortliche

Besonderheiten für kleine und mittlere Revisionsfunktionen (KMRs): Keine


Definition Berufsethik

Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie und befasst sich mit der Begründbarkeit moralischen Handelns.

Normative Ethik beurteilt das Handeln von Menschen im Falle von Handlungsalternativen und will Anleitung für moralisch richtige Entscheidungen geben.

Eine Berufsethik erwächst aus den Anforderungen an Berufe in einer arbeitsteiligen Gesellschaft und beschäftigt sich mit deren ethischen Fragen; sie will Handlungsanleitungen zu ethischen Fragen für die Berufsgruppen geben.

Die Berufsethik der Internen Revision ist normativ und beschreibt Anforderungen an Interne Revisoren, die sich aus ihren Aufgaben heraus ergeben. Diese Aufgaben sind grundsätzlich in einer Geschäftsordnung (Charter) beschrieben.

Grundlagen

Eine normative Berufsethik für die Interne Revision kann und sollte in einem Kodex beschrieben werden.

Der jeweilige Kodex liefert grundsätzliche Regeln für die praktische Arbeit der Internen Revision. Eine normative Berufsethik kann nur Vorschläge für Handlungsalternativen geben und diese begründen. Es bleibt ein Entscheidungsspielraum für das einzelne Individuum, der über das eigene Urteilsvermögen der Revisoren ausgeschöpft werden muss.

Ein Ethischer Kodex bindet die Interne Revision über eine freiwillige Selbstverpflichtung. Es sind individuelle, abteilungsbezogene oder für die gesamte Berufsgruppe geltende Kodizes denkbar.

Für die jeweilige Gruppe sind individuelle Kodizes zu bevorzugen, die eine Erwartungshaltung an die Gruppe definieren und insofern Bestandteil der allgemeinen Kontrollumgebung der Organisation sind.

Sie haben damit präventiven Charakter und beugen individuellem oder Gruppenfehlverhalten vor. Auch sind sie Bestandteil eines übergeordneten Qualitätsmanagement-Systems in der Internen Revision.

Anforderungen der Internationalen Standards

Das Institute of Internal Auditors (IIA) ist der amerikanische Dachverband für Interne Revisoren, der das so genannte International Professional Practices Framework (IPPF) entwickelt hat.

Zu diesem IPPF gehört neben dem Ethischen Kodex und der Definition der Internen Revision auch ein mittlerweile umfassendes Regelwerk. Im dortigen Ethischen Kodex werden allgemeine Anforderungen an die Interne Revision formuliert.

Zweckbestimmung der Ethik des IIA ist es nach Auffassung des Dachverbandes, eine ethische Kultur im internationalen Berufsstand der Internen Revision zu etablieren.

Mögliche Grundbestandteile

Die Interne Revision liefert in der Anwendung eines Risikoorientierten Prüfungsansatzes dem Management Grundlagen für organisatorische Entscheidungen, die auch strategischen Charakter haben können.

Eine Interne Revision übt Macht aus, die sich in schwer wiegenden Konsequenzen durch die von ihr durchgeführten Prüfungshandlungen für einzelne Personen oder Organisationen ergeben kann. Darum ist die Verhinderung von Machtmissbrauch ein wichtiges Element in einer Berufsethik.

Die berufliche Objektivität, Unbestechlichkeit und Vollständigkeit der Berichterstattung sollte in einer Berufsethik formuliert werden. Hierzu gehört auch die Beschreibung einer beruflichen Sorgfaltspflicht.

Loyalität zur Organisation, wenn auch nicht um jeden Preis,  sowie Rechtschaffenheit und Gesetzestreue sind grundsätzliche Anforderungen an Interne Revisoren. Revisoren dürfen sich nicht wissentlich und willentlich an nicht gesetzeskonformen Vorhaben beteiligen.

Im Zusammenhang mit dem für die Berufsausübung notwendigen Zugang und der Nutzung von Informationen, von denen viele einen vertraulichen Charakter haben, gehört Verschwiegenheit zu den Anforderungen an den Internen Revisor.

Die Anforderungen an professionelle Interne Revisoren sind hoch; das bedingt eine Verpflichtung zur beruflichen Kompetenz und zur ständigen Weiterbildung.

Entwicklung eines ethischen Kodex

Ein ethischer Kodex sollte in Anlehnung an die möglichen Grundbestandteile in einem diskursiven und partizipativen Prozess entwickelt werden.

Die Beteiligung der Internen Revision legt die Grundlagen für die Wirksamkeit und die Akzeptanz des Kodex.

Eine unreflektierte und unveränderte Übernahme ethischer Kodizes, auch der von Berufsverbänden, ist unzureichend. Wichtig ist es, die eigene Organisation zu reflektieren und ihre spezifischen Eigenheiten im Kodex zu berücksichtigen.

Kleinere und mittlere Revisionsfunktionen

Es ergeben sich keine wesentlichen Abweichungen für KMRs.